Johann Philipp Bronner (1792 - 1864)

Johann Philipp Bronner, 1792 - 1864 



Johann Philipp Bronner



Am 11. Februar 1792 wurde der erfolgreiche Apotheker, Unternehmer und Wissenschaftler in Neckargemünd geboren, wo sein Vater die dortige Apotheke führte. Im Jahr 1816, nach Abschluss seiner umfangreichen "Lehr- und Wanderjahre" heiratete er 1816 die Tochter des Wieslocher Stadt-Apothekers Georg Friedrich Märklin und übernahm gleichzeitig dessen Apotheke, die er bis 1860 geführt hat.
Sein Wirken prägte die Stadt Wiesloch und den Weinbau in Deutschland und Mitteleuropa.
Kurz vor seinem Rückzug aus dem Erwerbsleben richtete er die heutige historische Stadt-Apotheke für seinen Sohn Georg Philipp ein, deren damaliges Erscheinungsbild weitgehend erhalten geblieben ist.

Er war er ein typischer Vertreter des 19. Jahrhunderts. Seine naturwissenschaftlichen Interessen und Arbeitsmethoden hatten ihre Wurzeln im pharmazeutischen Kenntnisbereich. Es darf angenommen werden, daß einerseits wissenschaftliche Impulse durch seinen Schwiegervater ausgegangen sind, dass andererseits eine eher zufällige Konfrontation mit den Unzulänglichkeiten des damaligen Weinbaus in und um Wiesloch für ihn zur Herausforderung geworden ist, der er sich unter Einsatz seiner naturwissenschaftlichen und ökonomischen Fähigkeiten gestellt hat und die er konsequent umgesetzt hat.
Dabei hat er ganz gezielt auch die ökonomische Seite des Weinbaus beleuchtet und gab auch wenig begüterten Landwirten Methoden an die Hand, die Qualität ihrer Reben ohne kostenintensive Investionen zu steigern.

Aufgrund seiner beispielhaften Forschungs- und Lehrtätigkeit wurde er 1836 zum Großherzoglich Badischen Ökonomierat ernannt.

Es ist nicht verwunderlich, dass er als Kind der Aufklärung und einer Zeit der geistigen Emanzipation das demokratische Gedankengut seiner Zeit unterstützte. Sowohl er selbst, als auch seine älteren Söhne wurden deshalb als Teilnehmer an der badischen Revolution (1849) verfolgt.






Hören wir ihn selbst:
"Da ich von der Ansicht ausgehe, dass jeder, der ein Geschäft leiten will, selbst Meister sein muss, wenn er eine Arbeit angehen will, die mit Vorteil betrieben werden soll, so blieb mir nichts anderes übrig, als mich von Jahr zu Jahr über die vorzunehmenden Weinbergs-Arbeiten instruieren zu lassen."

"Meine Liebhaberei wurde allmählich so rege, dass ich jedes Frühjahr meine Rebanlage selbst schnitt. Ich versäumte dabei nicht, zur Zeit des Schneidens in die umliegenden Weinberge zu gehen, um den arbeitenden Weinbauern die Handvorteile abzugewinnen."

"Gewohnt, nichts zu tun, ohne den Grund beurteilen zu können, fragte ich die Leute um den Zweck dieser und jener Verrichtung und Behandlungsarten, und so erreichte ich einen doppelten Zweck, den der Selbstbelehrung und den der allgemeinen Beurteilung." ...

"Zwar haben wir mehrere Schriften über den Weinbau, wovon einige recht gut sind, andere aber auch wieder das Gepräge an sich tragen, dass sie bloß aus dem gefiederten Szepter hervorgingen, ohne dass der Gang der Natur genauer beobachtet wurde, die doch immer unsere erste Führerin sein muss, wenn wir nicht irre wandeln wollen.
Den meisten dieser Schriften fehlt die eigentliche praktische Tendenz, um Popularität zu gewinnen, und verbessernden Einfluss auf den Weinbau im allgemeinen zu erreichen. Zu wundern ist, dass in keiner der Schriften über den Weinbau eine Verbesserung der Ökonomie angegeben, oder besondere Rücksicht auf eine niedere Schnittmethode genommen wurde, welche so viel zur Veredlung des Erzeugnisses beiträgt."



 

1830: Riesling ohne Pfähle und Latten

Bronner, der als Begründer des naturwissenschaftlichen Weinbaus gelten kann, hat seine Kenntnisse und Erfahrungen aus umfangreichen Reisen durch die deutschen und europäischen Weinbaugebiete erworben und mit seinem naturwissenschaftlichen (botanischen, geologischen, meteorologischen, klimatologischen) Wissen aus dem Studium der Pharmazie vereinigt.

Er hat als erster die damaligen Kenntnisse vom Weinbau - der maßgebenden Weinbaugebiete in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich - in ihrer Gesamtheit systematisch zusammengetragen, ausgewertet und bewertet. Damit wurden sie sowohl der naturwissenschaftlichen Diskussion, als auch der weiteren Forschung und der Lehre im In- und Ausland zugänglich.

Seine Arbeiten schlugen sich in ca. 2500 Seiten wissenschaftlicher Publikationen nieder. Durch diese ist Bronner zu einer wichtigen Instanz in der Geschichte des deutschen und internationalen Weinbaus geworden. Sein Name ist präsent in kompetenten Weinbau-Lehrstätten und Fachbetrieben.




 

1842: Weinbau an der Bergstraße

Bronners Leben und wissenschaftliches Werk wurde erstmals 1979 durch Dr. Fritz Schumann (Neustadt/Weinstr.) umfassend beschrieben und in der Schriftenreihe zur Weingeschichte veröffentlicht (herausgegeben von der Gesellschaft für die Geschichte des Weines).
Sein Lebenswerk ist noch heute präsent im Lehrstoff der Weinbau-Fachschulen.


 

1837: Weinbau im Königreich Württemberg

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