Arzneimittel-Geschichte


Unser Beitrag zur Arzneimittelgeschichte

Ist Ihnen bewusst, dass Infektionskrankheiten erst seit Ende des 2. Weltkrieges ihre Schrecken verloren haben und dass die damalige Wunderwaffe Penicillin heißt?
Wissen Sie, dass Schutzimpfungen ihren Siegeszug bereits 50 Jahre vor den Antibiotica angetreten haben?

Hier wird das enorme Potential moderner Arzneimittel erkennbar.
Und hier muss das pharmazeutische Handwerk neidlos anerkennen, dass der dazu erforderliche Forschungsaufwand, aber auch die technologischen Voraussetzungen für aufwendige Herstell- oder Verpackungsprozesse, in einer traditionellen Apotheke nicht realisierbar sind.

In unserer historischen Stadt-Apotheke wird dies augenfällig sichtbar.
Da ist einerseits ein wunderschöner Steingut-Topf, gefüllt mit giftiger Quecksilbersalbe. Dieses Arzneimittel war über 400 Jahre lang im Gebrauch zur Bekämpfung der Volksseuche Syphillis. Über 400 Jahre hat die damalige medizinische „Wissenschaft“ die Auffassung vertreten, dass die mit einer übermäßigen Speichel-Sekretion einhergehende Quecksilbervergiftung das eigentliche Wirkprinzip sei und dass dadurch die unreinen Säfte ausgeschwemmt würden. Von den anderen Giftwirkungen wie Zahnausfall etc. ist ganz zu schweigen.

Daneben verfügen wir auch über eine kleine Ampulle Salvarsan, das erste synthetisch hergestellte Antibioticum, welches 1909 von Paul Ehrlich in den Labors der Farbwerke Höchst entwickelt worden war. Mit zwei oder drei Injektionen war die Infektion beseitigt und die Nebenwirkungen waren gering.

Könnten Sie sich vorstellen, dass Insulin-Ampullen im Apothekenlabor hergestellt würden oder gar gentechnisch aus Coli-Bakterien erzeugtes Human-Insulin? Technologische Herstellverfahren wie z. B. Sprühtrocknung, Mikroverkapselung, Gefriertrocknung entziehen sich der Anwendung in der öffentlichen Apotheke in erster Linie aus wirtschaftlichen Überlegungen.

Hier wird der inhaltliche Wandel der niedergelassenen Apotheken sichtbar bei der alltäglichen Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln.
Wir beobachten einerseits, dass das über Familiengenerationen weitergegebene Wissen über kostengünstige Naturheilmittel (Tees) und manuelle Therapie (Umschläge etc.) weitgehend verloren gegangen ist. Andererseits findet die moderne Pharmaforschung in den überlieferten Hausmitteln häufig irgendwelche inakzeptable Nebenwirkungen, weil in diesen Naturprodukten ja keine Einzelwirkstoffe enthalten sind, sondern eine breite Vielfalt davon, wo immer irgendein Anteil nicht den optimalen Anforderungen entspricht.

Vor diesem Hintergrund ist die heutzutage weit verbreitete Meinung, dass Natur vorbehaltlos gut und gesund sei, klar zu korrigieren. Ebenso ist aber auch das industriell-kommerzielle Interesse bei modernen Fertigarzneimitteln nicht zu übersehen.

In diesem Spannungsfeld können Apotheker hilfreiche Experten sein, deren Augenmaß und Erfahrung in der Gegenwart immer wichtiger wird, sofern sie nicht zu Verwaltungsangestellten von Krankenversicherungen degradiert werden.


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